21. August 2019

Wir müssen Praktiken und Produkte hinterfragen, die viel CO2 verursachen, besonders jene, die unser Leben überhaupt nicht verbessern. Darauf zielt der Schmähpreis «Teufelsstein». Wer hat ihn dieses Jahr verdient? Und wer soll mit dem Bergkristall ausgezeichnet werden, dem guten Gegenbeispiel?

Vermeiden, verlagern, umweltverträglicher gestalten. Nach diesen drei Prinzipien richten wir unser Handeln zur Reduktion des Verkehrs und zum Schutz von Mensch und Umwelt aus. Die absurd tiefen Transportkosten aber führen zu immer absurderen Vorgehensweisen. Die SBB Immobilien haben damit Erfahrung. Sie haben die Fassadensteine für einen Neubau in Zürich in China gekauft – notabene Steine, die aus Deutschland nach China geschafft worden waren. Unsere Mitglieder haben 2018 entschieden, den «Teufelsstein» an SBB Immobilien zu vergeben.

Und 2019? Wer erhält den Teufelsstein? Die Alpenluft aus der Spraydose, der pseudoitalienische Schinken, das Norwegerwasser? Und wer erhält den Bergkristall? Repariercafés, Genfer Malz oder Urner Fisch?

Die Kandidaten für den Teufelsstein 2019

«Voss» – Wasser aus Norwegen, Migros

Mineralwasserflaschen, importiert aus Norwegen

Seit kurzem verkauft Migros das Wasser der Marke «Voss» aus Norwegen. Coop hat das Produkt inzwischen aus dem Sortiment genommen. Die Flasche aus Glas und die Reinheit werden als Verkaufsargumente vorgebracht. Aber sein Transport über 1512 Kilometer hinterlässt einen CO2-Fussabdruck, der 7180 Mal grösser ist als jener unseres Leitungswassers.

Der Mediensprecher von Migros, Tristan Cerf, erklärt, dass mehr als 60 Prozent des von der Migros angebotenen Wassers aus heimischen Quellen stammt. Zudem habe «der Transport einen minimalen Einfluss auf die ökologische Bilanz». Wir teilen diese Ansicht nicht.

«Gusto Italiano» – Gekochter Schinken von Aldi

Gekochter Schinken, der mehrmals die Alpen überquert

Der Grossverteiler Aldi bietet die Charcuterie-Linie «Gusto Italiano» an. Der Schinken zeigt exemplarisch, wie stark die Produktion aufgeteilt ist. Die Schweine werden in den Niederlanden geschlachtet, das Fleisch dann in Kühllastwagen nach Italien (Bergamo) transportiert und verarbeitet.

Geschnitten und verpackt wird der Schinken in Österreich, bevor er dann in der Schweiz verteilt und verkauft wird. Allein der CO2-Fussabdruck des Transports ist neun Mal höher als bei einheimischem Schinken. Zwar wird im Kleingedruckten aufgezeigt, wie das Produkt entstanden ist, aber das macht die Sache nicht besser.

«Swiss Air Deluxe» – Alpenluft in der Dose

In Flaschen abgefüllte Frischluft

Findige Unternehmen bieten Bergluft in Spraydosen an. Sie wollen damit Touristen und die Bevölkerung in städtischen Ballungszentren ansprechen. Das Walliser Produkt «Air des Alpes Mont-Blanc» zielt auf Durchreisende, die Zürcher «Swiss Air Deluxe» exportiert auch nach Asien. «Swiss Air Deluxe» wirbt auf ihrer Website damit, Bergluft helfe beim Abnehmen, schütze das Herz und verbessere die Blutwerte. Eine Spraydose mit 9 Litern zusammengepresster Luft erlaubt rund 200 Inhalationen – der Mensch jedoch atmet pro Tag rund 10’000 Liter Luft ein und aus! Wird eine Spraydose von «Swiss Air Deluxe» zum Beispiel nach Thailand exportiert, so legt sie fast 20’000 Kilometer zurück. Für nichts!

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Die Kandidaten für den Bergkristall 2019

«Repair Café» – Konsumenten­schutz-Organisationen

Reparieren verlängert die Lebensdauer und vermindert Importe.

Reparieren statt wegwerfen – das ist das Ziel der Repair Cafés. Die Allianz der Konsumenten­schutz-Organisationen in allen Landesteilen haben dieses Projekt zusammen entwickelt. Die Reparaturen sollen gratis sein, zugleich will man den Austausch untereinander fördern. Die Palette der Dinge, die repariert werden können, ist breit. Sie reicht vom Spielzeug über elektronische Geräte bis zu Möbeln und Velos. «Wir wollen Lösungen anbieten, damit die Dinge länger benutzt werden können. Und wir wollen den Konsumentinnen und Konsumenten etwas Handlungsfreiheit zurückgeben», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin SKS.

«Mälzerei von Satigny» – Genfer Bauernkreis

Genfer Malz für ein wirklich regionales Bier

«Ein Genfer Bier wird als lokales Produkt verkauft, aber es enthält keine Agrarprodukte der Region – ein Unsinn für einen Getreidekanton», sagte sich John Schmalz, Direktor eines Zusammenschlusses von Genfer Bauern. So kamen sie auf die Idee, in der Schweiz wieder eine Mälzerei aufzubauen. Seit 2015 produziert sie und hat in anderen Kantonen Nachahmer gefunden. Die Gerste für Bierbrauer ist ein interessantes neues Produkt für die bäuerlichen Familien, das bessere Preise erzielt als Futtergerste. Das Genfer Malz aber ist für die Brauer doppelt so teuer wie das importierte Malz. Doch der neue Standort für die Malzproduktion reduziert Transportwege und verbindet Bauernfamilien, Brauer und Liebhaber lokaler Produkte.

«Basis 57» – Fischzucht am Gottard-Basistunnel

Lokale Produktion mit warmen Bergwasser

«Den Konsumentinnen und Konsumenten werden Qualität, Nachhaltigkeit und Ursprung ihrer Nahrungsmittel immer wichtiger», sagt Myriam Arnold, Marketing-Verantwortliche der «Basis 57 nachhaltige Wassernutzung AG». Das Unternehmen beim Nordportal des Gotthard-Basistunnels in Uri produziert nachhaltig frischen Fisch. Ziel ist, die Produktion auf 1200 Jahrestonnen auszubauen. Es nutzt das in die Tunnelröhren einsickernde, warme und saubere Bergwasser als Ressource für die Fischzucht. Basis 57 ist eine der wenigen Aquakulturen der Schweiz, welche die Fischeier nicht importiert, sondern selbst züchtet.

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Stimmen Sie ab!

Wasser aus Norwegen importieren? Schinken durch halb Europa karren? Alpenluft in Spraydosen abfüllen? Welches ist das absurdeste Produkt mit dem absurdesten Transportweg? Sie können den «Teufelsstein» vergeben!

Dinge reparieren, um sie länger gebrauchen zu können? Malz fürs Bier lokal produzieren statt importieren? Fischeier und Fische am Tunnelportal in Uri züchten? Verleihen Sie einem dieser drei Projekte den «Bergkristall».

Stimmen Sie bis am 15. September 2019 online ab:

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